Chronik

100 Jahre Turnverein Germania

Ein Jahrhundert ist eine Zeit, die es erfordert, Rückschau in die Vergangenheit zu halten, in der es auch im Vereinsleben sehr viele Höhen und Tiefen gegeben hat. Überschauen wir kurz die Stationen dieser Zeitspanne: Kaiserreich, 1.Weltkrieg, Weimarer Republik, Nazizeit, 2.Weltkrieg, Bundesrepublik. Verlorene Kriege, 2 Inflationen, Zerstörung und Neuaufbau – welch eine Fülle von Begebenheiten. Regierungen lösten sich in den 100 Jahren des Vereinsbestehens ab. Sie alle wiesen den Turnvereinen eine Aufgabe zu: Turner sollten nationale und staatsbürgerliche Ideen verwirklichen, sollten sich für die Gesundheit der Jugend und des Volkes einsetzen. Sie alle wollten Aufgaben zuweisen, aber wenige gaben den ländlichen Turnvereinen die nötige finanzielle Unterstützung, um all das durchführen zu können, was in großen Festreden herausgestellt wurde. Meistens ließ man die Vereine auf den Dörfern mit ihren Pfennigen allein, und die Kassenwarte mussten sich kümmerlich durch die Zeiten schlagen. All das ist erst in den letzten Jahrzehnte besser geworden, da moderne Turnhallen, neue Sportplätze und Schwimmhallen entstanden.
Obwohl es durch harte Zeiten ging – man muss sich wundern – fanden sich immer wieder Männer und Frauen, die den Turn- und Sportgedanken mit neuem Leben erfüllten, voll Idealismus anpackten, um Gutes zu bewirken.

Der Beginn

Es war kurz vor der Jahrhundertwende, als sich in Drochtersen drei junge Männer auf dem alten Schulhof ein Reck bauten und unter den kritischen Blicken älterer Einwohner des Ortes mit dem Turnen begannen. Diese drei Turner waren: Robert Giese, Adolf Greger und Heinrich Steffens.

Zu diesem kleinen Kreis gesellten sich immer mehr turnfreudige junge Männer dazu: August Drewes, Friedrich Tripmacker, Heinrich v. d. Reith, Claus Söhl, Johannes Schulze, Hans Werner, Jacob Blohm, Claus Fischer, um nur die zu nennen, die aktenkundig sind. Sie alle hatten die gleichen Ideale und waren beseelt vom turnerischen Geist des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn. Diese jungen Männer – vorwiegend Handwerker – gründeten am 01. August 1897 den Turnverein Germania Drochtersen. Der erste Turnrat – heute Vorstand genannt – bestand aus folgenden 3 Personen:

Vorsitzender Adolf Greger
Turnwart Heinrich Steffens
Schrift -u. Kassenwart Robert Giese (Vater des langjährigen TVG-Kassenwartes Herbert Giese)

1898 schied der erste Vorsitzende Greger aus. Nachfolger wurde Schneidermeister Heinrich von der Reith, der den Verein mit großem Interesse und Geschick 14 Jahre leitete. In diesem Jahr gaben sich die Turner auch die erste Satzung. Als Aufgaben und Ziele des Vereins wurden “regelmäßige Turnübungen und allseitige körperliche Ausbildung ” genannt. Die Mitglieder wurden eingeteilt in “Turner, Zöglinge, Turnfreunde und Ehrenmitglieder”, die sich fortan diesem Gebot unterzogen.

Jedes Mitglied hatte monatlich einen Beitrag von 25 Pfg. Praenumerando zu entrichten. Turner und Zöglinge waren zum regelmäßigen Besuch der angeordneten Turnübungen verpflichtet. Für ungebührliches Verhalten musste so mancher neben den Mitgliedsbeiträgen noch einige Sonderzahlungen leisten:

Unentschuldigtes Fehlen 20 Pfg. Strafe
Zu spätes Erscheinen 10 Pfg. Strafe
Lärmen 20 Pfg. Strafe

Der 1.Turnwart leitete die Übungen, das Schauturnen und die Turnfahrten (Wanderungen am Himmelfahrtstag). Frei-, Ordnungs- und Geräteübungen, Kürturnen, Gewichtheben, Bau von Pyramiden machten die Praxis etwas eintönig. Das Rauchen war selbstverständlich nicht erlaubt. Turnen hatte in Turnkleidung zu erfolgen, Stiefel waren auf dem Turnboden verboten. Geturnt wurde zweimal wöchentlich am Montag und Donnerstag von 20:00 – 22:00 Uhr. Bei Umzügen mussten die Turner stets nach Größe antreten. Jedes Mitglied war zur Befolgung der Satzung und zum Gehorsam gegenüber dem Vorstand und dessen Anordnungen verpflichtet.
Jedes Vierteljahr war Hauptversammlung, alljährlich im April erfolgte die Generalversammlung. Wer sein Amt vernachlässigte, konnte sofort abgesetzt werden. Diese 1. Satzung umfasste 39 Paragraphen und wurde von der Generalversammlung am 19.April 1898 verabschiedet und vom Turnerat A.Drewes, R.Giese, C. Söhl und H. v. d. Reith als 1. Vorsitzenden unterschrieben. Der Verein ist noch im Besitz einer vollständigen Ausgabe dieser Satzung. Nach Inkrafttreten dieser Satzung ging es an die Beschaffung von Geräten. Da sehr wenig Geld vorhanden war, kaufte man nur gebrauchte Geräte. Die ersten Anschaffungen wurden getätigt: 1 Spannreck, 1 Barren, 1 Kasten, 1 Sprungbrett, Stemmgewichte und Kokosmatten. Man versuchte sich mit Mut und Begeisterung an diesen Geräten, vergoss viele Schweißperlen und nahm so manchen blauen Fleck mit nach Hause. Es galt, sich durch stetiges Training dem Leistungsstand der Nachbarvereine anzugleichen, um aus Wettkämpfen erfolgreich hervorzugehen.

Am 10.August 1907 feierte der Verein sein 10-jähriges Bestehen mit einem großen Turnfest. Diese erste sportliche Großveranstaltung war ein stolzer Erfolg für den noch jungen Verein.

Fahnenweihe

 

Am 09.08.1908 zählte “Germania” bereits 125 Mitglieder. In diesem Jahr wurde auch die erste Fahne des Vereins geweiht. Sie ist noch erhalten und ist wohl der wertvollste Besitz des Vereins; im Winter 1996 wurde sie restauriert. Ihr Wahlspruch, der sicher noch heute nichts von seiner Gültigkeit verloren hat, lautet:


“Wer seinen Körper stählt, pflegt die Seele.”

 

Die Jahreszahlen 1897 und 1908 dokumentieren das Gründungsjahr bzw. die Fahnenweihe. Mit einem großen Umzug vieler Vereine aus der weiteren und näheren Umgebung und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung des mit Girlanden und Fahnen geschmückten Ortes fand die Fahnenweihe statt. Sportliche Wettkämpfe und ein großes Schauturnen beendeten einen bedeutenden Tag in der noch jungen Sportgeschichte des Vereins.

Am 04.05.1908 trat der Verein dem Gauverband Elbmündung der Deutschen Turnerschaft bei.

Vereinslokal war der Gasthof zur Post, Inhaber C. Münster und Albert Hintelmann. Der Gasthof stand an der Stelle, wo heute das Radiohaus Christ eingerichtet ist. Später wurde das Vereinslokal nach Jagemanns Gasthaus (heute Müller) verlegt. Der Gasthof zur Post brannte im Jahr 1917 ab.

Die ersten Wettkämpfe

 

Blättert man in alten Zeitungen aus dieser Zeit, so stellt man fest, dass sich Germania neben eignen Sportfesten auch am Sportgeschehen in der näheren Umgebung rege beteiligte:

30.06.1912 Wettturnfest in Freiburg
7.06.1913 Fahnenweihe in Assel
22.08.1913 Bezirksturnfest in Basbeck
7.06.1914 Bezirksturnfest in Otterndorf

Die ersten Siege gab es 1912 in Freiburg. In der Siegerliste der Gerätewettkämpfe finden wir die Namen L. Ostermann mit 86 und Johannes Bartels mit 83,5 Punkten.

Vereinssportfeste, gesellige Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern, Maskeraden, Sommer – und Wintervergnügen sicherten und verbesserten die finanzielle Lage des Vereins.

Rückschlag 1914

 

Einen herben Rückschlag erlebte der Verein 1914 durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Die Vereinsarbeit kam völlig zum Erliegen – der Mut der Mitglieder wurde aber nicht gebrochen. Obwohl 14 Turner im Krieg gefallen waren – die Namen sind bekannt – wurde gleich nach dem Krieg die Arbeit vor allem von älteren Mitglieder unverzüglich wieder aufgenommen. Von den Ansichten aus der Kaiserzeit musste man sich langsam verabschieden. Die Jugend drängte zunehmend in die Vereine und bewirkte einen langsamen Wandel vom starren Geräteturnen hin zur freien Form der Leichtathletik und zum Spiel. Immer lauter wurde der Ruf nach Grasflächen (heute Sportplätze). Man wollte Faustball, Fußball oder Handball spielen. Manch alter Ziegeleiplatz oder andere unmöglichen Gelände dienten als Ersatz für Spielflächen. In Drochtersen nutzte man einen Platz bei von Borstels Erben sowie das Gebiet um den Schießstand an der Krautsander Straße.

VFL Drochtersen

 

1913 wurde unter dem Namen “Sportclub Drochtersen” ein zweiter Verein, der aber ebenfalls während der Kriegszeit seine sportliche Tätigkeit einstellte, gegründet. Am 1. Mai 1920 wurde er als Verein für Leibesübungen, kurz VFL genannt, neu gegründet und lebte dann wieder auf. Die Mitglieder hatten Fußball, Faustball und Schlagball auf ihre Fahnen geschrieben. Aber der Verein zeichnete sich vor allem durch eine schlagkräftige Fußballmannschaft aus. Sportler wie Jonny Dralle, Willi Schildt, H. Oltmann, R. Schröder, W. Fricke, H. Bartels, W. Grese, E. Wellbrok, Willi Tripmacker, Friedrich Leidecker und Reinhard von Allwörden (1950 – 1960 1. Vorsitzender im TV Germania ), bildeteten ein spielstarke Mannschaft, die mit großem Erfolg im Gau Harburg an den Punktspielen teilnahm. Nach Streitigkeiten mit dem Eigentümer des gepachteten und am 01. Mai 1921 eingeweihten Spielfeldes und eines daraus resultierenden verlorenen Prozesses löste sich der Verein nach ca.10 Jahren wieder auf.
Der ” VFL ” war nicht mit dem TV Germania verbunden, sondern war Mitglied im Deutschen Fußballbund, während der TVG dem Verband der Deutschen Turnerschaft angehörte.

Germania weitet seine Tätigkeit aus

 

In den 20-iger Jahren weitete man im Turnverein Germania die sportliche Tätigkeit aus. Auf Fußball und Handball wurde verzichtet, aber man nahm das volkstümliche Turnen auf. Am 09.07.1921 gründete man Frauen- und Mädchengruppen für Gymnastik, Spiel und Tanz. Damit hielt auch der Frauensport Einzug im TVG. Dazu kam ein reger Zulauf bei den Kindergruppen. Männer- und Frauenmannschaften nahmen an den Faustballrunden des Bezirkes Elbmündung teil, und 1927 präsentierten sich die Männer als Meister in der IV. Klasse des Gaues Elbmündung. Im Unterelbegau waren 184 Vereine mit 19000 Mitgliedern organisiert. In Deutschland gab es in der Deutschen Turnerschaft 300 Gaue, der Unterelbegau lag, gemessen an der Mitgliederzahl, an der 7. Stelle.

Das erste Jubiläum

 

Am 21.05.1922 feierte Germania das 25-jähriges Vereinsjubiläum. Mit Assel und Eiche Warstade stellten sich zum Schauturnen zwei sehr gute Riegen vor, die begeistert so lange turnten, bis sich die Befestigungen des Spannrecks auf der Festwiese lockerten und ein Weiterturnen nicht mehr gestatteten. Die Freiburger Zeitung schrieb 1922 zu diesem Fest: ” Ein leidlicher Festumzug durch den Ort, nur acht Vereine folgten der Fahne. Die Inflation hielt so manchen Turner vom Feste fern “.

Sportfeste

 

Die folgenden Jahre waren ausgefüllt von turnerischer Arbeit und Teilnahme an vielen Sportfesten, unter anderen:

11.06.1922 Turnfest in Neuhaus
13.08.1922 Gauturnfest in Buxtehude
03.09.1922 Dobrock – Bergfest
17.09.1922 Platzweihe in Assel
14.-18.7.1923 Deutschen Turnfest in München
02.09.1923 Dobrock – Bergfest
1923 Bezirksturnfest in Basbeck

In den Siegerlisten tauchen immer wieder die folgenden Namen auf: Wilma Jarck, Anna Rehmke, Marga Rehmke, Friedrich Hagenah, Hermann Ossenbrügge und Wilhelm Söhl.

Das Großereignis

 

Höhepunkt des Vereinsleben in Drochtersen nach dem Ersten Weltkrieg war die Durchführung des IX. Bezirks-Turnfestes am 31. Mai und 1. Juni 1924. Aus Zeitungsberichten und einer Festzeitschrift ist zu entnehmen, dass das ganze Dorf zur Mitarbeit aufgerufen wurde. Und alle kamen: Gesangvereine, Feuerwehr, Kriegervereine, Bürgermeister, Gemeinderäte und sogar der amtierende Landrat. Drochtersen hatte mit frischem Grün – 27 Ehrenpforten wurden gezählt – vielen Fahnen und Wimpeln sein Festkleid angelegt, um 300 aktiven Wettkämpfern aus dem Bezirk Elbmündung seinen Gruß zu entbieten. Höhepunkte waren der Begrüßungsabend am Sonnabend und der Wettkampftag am Sonntag. Disziplinen wie Zwölf-, Neun- und Siebenkampf, Staffellauf und Spiele bildeten den Wettkampf. Höhepunkt und Abschluss war der gemeinsame Auftritt von ca.300 TurnerInnen mit allgemeinen Turnübungen und einem großen Umzug durch den festlich geschmückten Ort. Musikkapellen und Gesangvereine brachten an beiden Tagen ihre Paradestücke zu Gehör. Überall gab es rauschenden Beifall. In langen Reden taten die Vertreter der Turnverbände sowie der amtlichen Stellen kund, was man von den Turnern und Jugendlichen erwarte. Nach den beiden glanzvollen Tagen dankte der Bezirksturnwart dem 1.Vorsitzenden Fritz Dralle für die Mühe bei der Gestaltung des Festes. Er wünschte sich, dass die Turnschau in Drochtersen allen Vereinen an der Niederelbe Anregungen und Auftrieb geben würde.

In den Siegerlisten tauchten nur wenige Drochterser Turner auf: Johannes Jens, Heinrich v. d. Reith, Alwin v. d. Reith, Friedrich Hagenah und H. Rehmke. Die Wettkampfbedingungen waren auf dem Bezirks-Turnfest wesentlich schwieriger als bei kleineren und lokalen Veranstaltungen. Diese Veranstaltung gab auch unseren Turnern neuen Auftrieb. Aus dem Jahr 1927 ist bekannt, dass unter anderem an folgenden Veranstaltungen teilgenommen wurde:

19.06. Fahnenweihe in Hammah
02+03.07. Gauturnfest in Cadenberge
24.07. Bezirksturnfest in Bützfleth
21.08. Sommerfest in Drochtersen
28.08. Dobrock – Bergfest
09-11.09. Turnhalleneinweihung in Assel

Bei den o. g. Veranstaltungen errangen die Teilnehmer des Vereins Friedrich Hagenah, Hermann Ossenbrügge, Marga Rehmke, Anna Rehmke, Wilma Jarck, Willi Söhl, Johannes Jens, Heinrich v.d.Reith, Alwin v.d.Reith zahlreiche Erfolge, die unter anderen den Turnlehrern Rudolf Schröder Dornbusch, Fritz Leßmann Assel , Willy Diercks Cadenberge und Willi Söhl Drochtersen zu verdanken sind.

1928 beteiligten sich viele Mitglieder am Deutschen Turnfest in Köln; verbunden war dieses mit einer Rheinreise. So vergingen bis 1933 die Jahre eifrigen Schaffens. Die Mitglieder des Vereins beteiligten sich weiter an vielen Veranstaltungen des Gaues, des Bezirks und der Nachbarvereine mit stets wechselnden Erfolgen.

Am 09.10.1927 wurde der Verein in das Amtsregister des Freiburger Gerichtes eingetragen.

Der neue Vereinsführer

 

1933 erfolgte die Gleichschaltung aller Turnvereine zum NS-Sportbund. Der alte Vorstand wurde kurzerhand abgesetzt. Es folgten neue Männer, die von der Partei ernannt wurden. Nur Parteitreue konnten noch Ämter bekleiden. Der langjährige und verdienstvolle 1.Vorsitzende Hinrich Gooß musste gehen. Die Führung des Kreises Elbmündung der Deutschen Turnerschaft setzte den Oberlandjäger Adolf Bode als Vereinsführer ein. In seiner Antrittsrede am 04. Oktober 1933 hieß es überheblich: ” Es muss sich jeder daran gewöhnen, dass die Zeit der Wahlen vorbei ist und nur das Führerprinzip herrscht. Ich habe die Leitung des Vereins angenommen, um am großen Werk des Aufbaues unseres Volkes an wichtiger Stelle aktiv tätig sein zu können. Ich gelobe meinen Posten so auszuüben, wie es mein Führer verlangt. In der Turnerei herrsche der Geist strengster Disziplin und militärischer Haltung. Es gebe künftig nur eine Führung und anderseits strengste und gehorsamste Gefolgschaft.”

Es ging bergab

 

Der neue Vereinsführer ernannte seine Mitarbeiter und behielt sich vor, zur Kontrolle der Turnerei Beauftragte zu benennen. Trotz der markigen Worte von 1933 ging es im TVG immer weiter bergab. Die Bürger aber auch Jugendliche wurden in den nächsten Jahren von den NS-Organisationen erfasst, z.B. Hitler-Jugend, SA, SS, B. d. M, Frauenschaft, Frauenwerk. Sie alle sollten in ihren neuen Organisationen neben politischer Schulung auch Sport betreiben (Wehrsport). So blieben dem TVG nur Kinder unter 10 Jahre und ältere Menschen über 70 Jahre. Hinzu kam, dass der B. d. M und die H. J. am 30.11.1933 den Antrag stellten, die Halle und die vereinseigenen Geräte zum Turnen zu nutzen. Dem Antrag wurde vom Vorstand stattgegeben.
Die Hitler-Jugend (10 – 18 Jahre) übte ihren Dienst und Sport am Mittwoch, Sonnabend und Sonntag aus. In den Schulen wurde die tägliche Turnstunde eingeführt, dazu kamen Spielnachmittage, Sportfeste und Wettkämpfe.
Hieraus resultierte ein weiterer drastischer Rückgang der Mitgliederzahl. 1936 verstarb der 1.Vorsitzende Bode, Hinrich Gooß übernahm wieder den Vorsitz. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10. Juni 1937 in der Turnhalle legten Hinrich Gooß den Vorsitz und Friedrich Mahler das Amt des Kassenwartes aus Altersgründen nieder. Einstimmig wurde Lehrer Walter Leppin zum 1.Vorsitzenden gewählt. Er bestimmte den Tischler Peter Ahlf zu seinem Stellvertreter und Kassenwart. Trotzdem ging die Mitgliederzahl im TVG weiter zurück, und an den Übungsabenden erschienen nur noch 6 – 8 Turner. Aber es kam auch sehr oft vor, dass der 1.Vorsitzende Walter Leppin zum Männerturnen am Abend in der Turnhalle alleine antrat. Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als an längst vergangene Zeiten zu denken. Ostern 1938 wurde eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, zu der 10 Mitglieder erschienen. Einziger Tagesordnungspunkt war die Auflösung des Vereins. Nach langer Diskussion wurde beschlossen, den Verein nicht aufzulösen. 1939 begann der Krieg, und die Vereinsarbeit musste eingestellt werden – die Menschen hatten andere Sorgen.

Der Neuaufbau gestaltete sich schwierig

 

1945, der Krieg war zu Ende. Der Saal bei Schweitzer, der als Turnraum viele Jahre für Verein und Schule diente, war zweckentfremdet worden. Er wurde von der Hilfsfeuerwehr, von Volksturnern, Flüchtlingen und durchziehenden Soldaten der Wehrmacht belegt. Ein Großteil der Geräte wurde ausfindig gemacht; jedoch sie befanden sich, wie alles, in einem schlechten Zustand. Zu allen Überfluss brannte eine Baracke vom ehemaligen R.A.D-Lager mit wertvollen Turngeräten ab. So stand man 1945 vor einem Trümmerhaufen.
Die britische Militär-Regierung befahl im Herbst 1945 die Auflösung des Vereins, die Abberufung des alten Vorstandes und sperrte das Guthaben von RM 441,65 bei der Sparkasse. Auf der Versammlung am 25. April 1946 wurde Schneidermeister Johannes Jens – langjähriges Mitglied und erfolgreicher Turner – zum Leiter des Vereins, Günter Westphal zum Kassen-, Geräte- und Jugendwart bestimmt. Er und Günter Westphal waren die Männer der ersten Stunde. Ihnen war es zu verdanken, dass die Vereinsarbeit so früh wieder aufgenommen wurde, obwohl sie durch die britische Besatzungsmacht eigentlich verboten war. Günter Westphal wurde von den Vereinen im Kreis am 18. Juli 1946 zum Verbandsjugendwart im Kreisverband für Leibesübungen Stade gewählt. Erwähnt werden muss hier die Familie Sonnwald, die in allen sportlichen Bereichen zu den Aktivsten zählte. Ob im Turnen, Fuß-, Hand-, Faustball, Tischtennis oder in der Leichtathletik, in allen Sparten wurde kräftig mitgemischt. Alle vier Wochen wurde eine Hauptversammlung durchgeführt. Der Aufbau gestaltete sich sehr schwierig. Aber es bestand nach dem Krieg ein großes Interesse am Vereinsleben, auch hervorgerufen durch die vielen Heimatvertriebenen. Die Aufgabe des TVG in dieser Zeit bestand darin, seinen alten und sehr vielen neuen Mitgliedern eine sportliche Betätigung zu ermöglichen und ein Vereinsleben zu entfalten. So fing man mit recht bescheidenen Mittel an, Kameradschaft und Geselligkeit zu pflegen. Am 29. April 1946 stellte der Verein mit seinen Sparten Geräteturnen, Fußball, Handball, Faustball, Leichtathletik und Tischtennis den Antrag, in den Kreisverband für Leibesübungen in Stade aufgenommen zu werden. Neu waren die Sparten Fußball, Handball und Tischtennis, die bis dahin im TVG verpönt waren.
Am 06.05.1946 fand die Erste Hauptversammlung statt, in dieser Versammlung wurde ein Vorstand gebildet.

Die ersten Veranstaltungen

 

Die Vorbereitungen zum ersten Sportfest verliefen sehr schleppend, und der Termin musste immer wieder verschoben werden. Aber am 02. Juni 1946 war es endlich so weit. Unter der Leitung von Lehrer Walter Leppin zeigten Jungen und Mädchen am Vormittag Übungen mit Ballspielen, Staffeln u. v. m.. Am Nachmittag gaben Mädchen Gymnastikübungen sowie ein Völkerballspiel zum Besten, während sich die Jungen im Handballspiel versuchten. Durch das immer schlechter werdende Wetter mussten die Vorführungen auf dem Sportplatz abgebrochen werden. Großen Erfolg verzeichnete man dann allerdings bei der Abendveranstaltung auf beiden Sälen in Hintelmanns Hotel. So wurden vor über 600 Gästen Turneinlagen und Pyramidenbau zum Besten gegeben. Untermalt wurde die Veranstaltung von musikalischen Einlagen unter der Leitung von Rita Vöge sowie einem Theaterstück. Bürgermeister Alfred Kröhnke sowie der Kreissportführer Kämmer überbrachten Grüße und riefen besonders die Jugend zur Mitarbeit am aktiven Aufbau des neuen Sportlerlebens auf.

Am 23.06.1946 fand das erste Kreisjugendsportfest in Stade statt. Mit 27 Leichtathleten, einer Fuß- und Handballmanschaft ging es mit einem LKW der Gebr. Dralle nach Stade. Zufrieden mit den gezeigten Leistungen und Erfolgen – die A.-Jgd. gewann das Fußballspiel mit 1 : 0 gegen VFL Stade – trat man den Heimweg an.

Die Neugründung

 

Nachdem alle bürokratischen Hindernisse beseitigt waren – ein Verdienst von Günter Westphal – wurde der Verein auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 9. Sept. 1946 aufgelöst. In der gleichen Versammlung beschloss man die Neugründung. Damit war der Anweisung Nr.67 der Militärregierung Genüge getan. In geheimer Wahl wurde Johannes Jens zum 1.Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder des Vorstandes waren Schneidermeister Johannes Pehmöller als 2.Vorsitzender, Mandanter und Helfer in Steuersachen Heinrich Petersen als Schatz.-und Schriftwart, Günter Westphal als Jugendwart, Hermann Hartmann als Turn-u.Sportwart, Adolf Söhl als Gerätewart, Axel Ponath als Pressewart.

Folgende Spartenleiter wurden gewählt: Johannes Groß Fußball, Hermann Hartmann Handball, Frau Bärwald Damenabteilung, Johannes Jens Turnen Jungen und Mädchen, Johannes Cassau Vereinssanitäter.

Mit der Auflösung des Vereins hatte auch die alte Satzung aus dem Jahre 1935 ihre Gültigkeit verloren. Vom neu gewählten Vorstand wurde ein neuer Satzungsentwurf vorgelegt. Nach einigen Änderungen wurde die neue Satzung von den Mitgliedern angenommen. Die neuen monatlichen Beiträge wurden wie folgt festgelegt:

Schüler bis 14 Jahre 0,25 RM
Jugendliche bis 18 Jahre 0,50 RM
Erwachsene 1,00 RM
Passive 0,50 RM

Es ging langsam wieder aufwärts

 

Durch die Aufnahme der Sparten Fußball, Großfeldhandball, Faustball und Leichtathletik benötigte man ein Spielfeld. Der von der Gemeinde gepachtete alte Sportplatz hinter dem Barackenlager des ehemaligen Reichsarbeitsdienstes befand sich in einem äußerst schlechten Zustand und war eine bessere Wiese. Zur Erinnerung: Dieser Platz war in west-östlicher Richtung parallel zu der heutigen Festhalle ausgerichtet. Aus einem Protokoll vom 01. Februar 1947 geht hervor: ” Der Verein wolle eine vorbildliche und erstklassige Sportstätte für die Gemeinde schaffen. Eine Sportstätte, welche der Größe und Bedeutung des Ortes mit seiner zentralen Lage in Südkehdingen, der Bevölkerungszahl und vor allen Dingen der Zahl der Jugendlichen voll Rechnung tragen soll …”.
Dazu waren erhebliche Geldmittel erforderlich. Die Schätzungen der Baumaßnahmen beliefen sich auf ca.15.000,– RM. Der Verein brachte selbst eine beachtliche Summe zusammen. Dazu kamen 4.850,– RM durch freiwillige Spenden (die Spendenliste ist noch im Orginal erhalten). Der Rat der Gemeinde gewährte einen Zuschuss von 3000,– RM, der Rest wurde mit einem Bankkredit finanziert. Träger des gesamten Bauvorhabens und verantwortlich für die Planung und Durchführung der Arbeiten war der TVG.
Zwei festangestellte Arbeiter, Herbert Küchler (auch Trainer im Jugendfußball) und Erwin Pehmöller, waren bereits seit Anfang 1946 mit Erd- und Planierungsarbeiten am Sportplatz beschäftigt. Unter großen Anstrengungen und mit bis zu 20 zusätzlich beschäftigten Arbeitern und der Mithilfe vieler freiwilliger Helfer begannen die Arbeiten. Ca. 600 t Bautrümmer für den Unterbau aus Hamburg, 500 t Schlacke aus Lübeck und ca. 200 t Kies aus Dänemark wurden mit Schiffen herangeschafft und im Gauensieker Hafen gelöscht. Durch den damaligen Fuhrunternehmer Friedrich Schild wurde das Material mit Pferdefuhrwerken zum Sportplatz gefahren. Ein Aufruf des Vorstandes am 09.07.1947 mobilisierte noch einmal alle Kräfte:” In den uns noch verbleibenden Wochen ist die Mitarbeit eines jeden einzelnen Mitgliedes unerlässlich. Bis zum Sportfest gehört jede Freizeit und der Feierabend dem Verein. Helft mit! Ihr dient Euch selber damit “. So entstand in 1 ½-jähriger Bauzeit unter schwersten Bedingungen eine für damalige Verhältnisse herrliche Sportanlage mit einer 400 m Rundbahn, die eine Breite von 5 Meter hatte. Dazu kamen eine Weit-, eine Hoch- und eine Stabhochsprung- sowie eine Kugelstoßanlage. Auf einem Nebenplatz befanden sich ein Faustballfeld und eine Speer-, Diskus- und Hammerwurfanlage. Die Kosten beliefen sich auf ca. 16.000 RM. Durch den Bau des Sportplatzes geriet der Verein in arge Schwierigkeiten und war zeitweise zahlungsunfähig. Nur langsam erholte er sich von diesem finanziellen Kraftakt.

Das 50-jährige Jubiläum

 

Rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum konnte der TVG seine Festwoche vom 10. – 17. August 1947 auf der neu erstellten Sportanlage mit einem großen Programm begehen. Höhepunkte waren die Vereins- und Kreismeisterschaften in der Leichtathletik sowie eine große Turngala mit dem Auftreten der Hamburger Kunstturnriege und das Fußballspiel der Auswahlmannschaften Kreis Stade gegen Pinneberg. In den Siegerlisten im Dreikampf findet man Namen wie Maria von Allwörden, Magdalene Oltmann, Adolf v. d. Reith, Heinrich Mau, John Gerkens, Rolf Müller – um nur die Namen zu nennen, die noch heute Mitglied im TVG sind. Bei den weiteren Veranstaltungen trugen sich folgende Vereine in die Siegerlisten ein:
Faustballturnier VTV Assel,
Tischtennisturnier VFL Stade,
Handballturnier VFL Horneburg (vor dem TVG),
Fußballturnier TSV Osten (vor dem TVG).

Die Zuschauerresonanz war überwältigend. Bei Eintrittspreisen von 0,50 RM für Erwachsene und 0,25 RM für Jugendliche betrugen die Einnahmen aus den Veranstaltungen 2.382,– RM.

Ende 1949 erwarb der Verein von der Fa. Düneberg aus Geesthacht für DM 5.300.– eine Baracke von 10×14 m, die fortan als Umkleide-, Wasch- und Geräteraum genutzt wurde. Dieses Provisorium diente unserem Verein 12 Jahre und stand auch der Schule zur Verfügung. 1950/51 wurde der Sportplatz mit einer Drainage versehen.

Das Zwischen-Tief

 

Ende 1947 hatte der TVG 445 Mitglieder, davon 200 Kinder und Jugendliche. 1948 gab es nach der Währungsreform einen herben Rückschlag. Viele Mitglieder traten aus, da das Geld fehlte, um den Beitrag zu bezahlen. Beiträge kamen nur schleppend oder gar nicht herein, die Mitgliederzahl sank bis 1950 auf 151. Viele Heimatvertriebene und ihre Familien verließen Drochtersen, die Arbeitslosigkeit war groß, Ausbildungsplätze rar. Nach Streitigkeiten zwischen der Sparte Tischtennis und dem Vorstand gründeten die Tischtennisspieler 1948 den TTC Drochtersen. Mit der Gründung des TTC erfolgte gleichzeitig die Kündigung des Sport- und Trainingsbetriebes auf Schweitzers Saal, der viele Jahre dem TVG als Turnhalle gedient hatte. So musste der Turnbetrieb zeitweise eingestellt werden. Nach langen Verhandlungen stellte Albert Hintelmann ab 29.11.1949 einen Raum für die Unterbringung der Geräte und den kleinen Saal für den Turnbetrieb zur Verfügung. Ein geregelter Übungsbetrieb war allerdings nicht möglich, da durch private Veranstaltungen so manche Turnstunde ausfiel.
Das Turnen rückte immer mehr in den Hintergrund. Die weitaus schwerwiegendere Abspaltung erfolgte 1957 mit der Gründung des Sportvereins Dornbusch. Der Verein hat heute ca. 650 Mitglieder und kann 2 Sportplätze und eine Mehrzweckhalle in Dornbusch nutzen.
War das Klima in den ersten Jahren recht vergiftet, so herrscht heute ein sehr gutes Einvernehmen zwischen beiden Vereinen.

Das Spektakel

 

Aber es gab auch Erfreuliches zu vermelden. Am 12.Juni 1949 fand unter dem Motto “Land gegen Meer” ein Fußballspiel statt. Es war ein riesiges Spektakel vor rund 1000 Zuschauern. Mannschaftsaufstellungen:
Land ( Tradionsmannschaft ): Walter Leppin, Reinhard von Allwörden, Alwin v.d.Reith, Friedrich Leidecker, Walter Steffens, John Hintelmann, Robert Eylmann Nindorf, Robert (Vetter)Eylmann Dornbusch, Walter Tripmacker Nindorf, Hermann Hartmann, Eduard Limberg sen.

Meer ( Die alten Seefahrer ): Heinz Hamann, Hans Nagel, Hermann Beckmann, Theodor Oltmann, Richard Oltmann, August Pott, Johannes Cassau, Friedrich Nagel, Hans-Heinrich v. Borstel, Wilhelm Nagel, Fritz v. Borstel.

In der Traditionsmannschaft Land standen mit Reinhard v. Allwörden, Friedrich Leidecker, Walter Leppin, Walter und Theodor Tripmacker einige Spieler des ehemaligen Vereins VFL Drochtersen. Sieger wurden übrigens die alten Seefahrer mit 1:0, das Rückspiel gewannen die Seefahrer im Herbst mit 4:1 Toren.

Leichtathletik im Aufwind

 

Am 1. August 1948 fand das erste Kehdinger Leichtathletik-Sportfest in Drochtersen mit folgenden Vereinen statt: VTV Assel, SC Balje, MTV Freiburg, TuSV Krummendeich, TV Wischhafen, TuSV Großenwörden, Hohenluchter TuSV und TV Germania. Als Rahmenprogramm wurde ein Handballturnier mit den Vereinen Balje, Freiburg und TVG durchgeführt.
Auf der Generalversammlung am 14.02.1950 wurde Reinhard von Allwörden zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er leitete den Verein 10 Jahre bis zu seinem Tode. Ihm war es zu verdanken, dass der Verein eine neue Bleibe fand. Eine Maschinenhalle (ehem. E-Werk) in Theisbrügge wurde mit Hilfe des Landkreises und der Gemeinde zur Turnhalle umgebaut und konnte Ende Dezember 1951 in Betrieb genommen werden und gab dem Turnbetrieb zunächst neuen Auftrieb.

1950 übernahm Sportlehrer Waldemar Remuß die Leichtathletikabteilung – 1951 wurde er zum 2. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Remuß war ein glühender Verfechter der Leichtathletik. Er pries diese immer wieder als Krone des Sportes und hatte dabei die volle Unterstützung seines Vorsitzenden Reinhard v. Allwörden. Die Leichtathletik nahm einen gewaltigen Aufschwung, denn seine Begeisterung übertrug sich auch auf die Jugend. Auf vielen Sportfesten und bei vielen Meisterschaften trugen sich Drochterser Sportler in die Siegerlisten ein. So nahmen 1955 am Dobrock-Bergfest z.B. 55 SportlerInnen teil. Immer wieder tauchen folgende Namen – um nur einige zu nennen – in den Siegerlisten auf: Maria v. Allwörden, Magdalene Oltmann, Wilma Jens, Edu Limberg, John Gerkens, Sigi Neltner, Erwin Petersen. Das Dobrock-Sportfest galt schon immer als besonderes Erlebnis.

Am 13. Mai 1957 legte Waldemar Remuß seine Ämter im Verein nieder, da er beruflich nach Hannover versetzt wurde. Damit verlor der TVG nicht nur einen hervorragenden Menschen, sondern auch einen anerkannten Fachmann. Große Unterstützung fand Remuß in seiner Arbeit bei Sigi Neltner, der 1951 zum Jugendwart gewählt worden war. Sigi Neltner war nicht nur ein exellenter Leichtathlet, er war auch als Übungsleiter im Jugendfußball und im Kinderturnen sehr erfolgreich. Durch seinen unermüdlichen und selbstlosen Einsatz war er bei den Jugendlichen äußerst beliebt. 1965, nach 15-jähriger Tätigkeit, verließ uns Sigi Neltner in Richtung Freiburg (berufliche Gründe); ein Weggang, der nur schwer überwunden werden konnte. Trotz schlechter Trainingsbedingungen waren die Leichtathlehten dank Übungsleiter Walter Behrendt auch in den 60-iger Jahren sehr erfolgreich. Im Februar 1974 löste Dirk Ludewig Walter Behrendt ab, die erfolgreiche Arbeit wurde nahtlos fortgesetzt. Die leichtathletiktreibenden Vereine VTV Assel, TVG Drochtersen, SV Dornbusch, TV Wischhafen und MTV Freiburg schlossen sich im Oktober 1975 zur LG Kehdingen zusammen. Ein Zusammenschluss, der sich gelohnt hat, denn viele stolze Erfolge und Titel konnten auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene errungen werden.

Bei den Fußballern stellten sich ab 1953 die ersten Erfolge ein. Handball- und Faustballer hatten es sehr schwer und hielten sich in den unteren Klassen auf. Anfang der 50-iger Jahre wurde dann der Spielbetrieb im Feldhandball und Faustball eingestellt. Beide Sportarten konnten sich nicht durchsetzen. Nach einer Durststrecke von einigen Jahren kam es zur erfolgreichen Neugründung der beiden Sparten.
1951 trat der langjährige Kassenwart Heinrich Petersen zurück. Herbert Giese übernahm das Amt und führte es ununterbrochen bis Februar 1983, also 32 Jahre, zur vollsten Zufriedenheit der Mitglieder.

Die Kommune tat sich schwer

 

Am 25.5.1957 stellte der Vorstand einen Antrag an die Gemeinde zwecks Übernahme der vereinseigenen Sport- und Turngeräte. Der Verein hatte seit Jahrzehnten der Schule – 1957 etwa 550 Schüler – die Geräte zur uneingeschränkten und kostenlosen Nutzung zur Verfügung gestellt. Da diese Vereinbarung für den Verein sehr kostenintensiv war, stand kein Geld für notwendige Reparaturen und Neuanschaffungen mehr zur Verfügung. Rat und Verwaltung taten sich mit der Entscheidung sehr schwer. Erst nach 2-jähriger Diskussion wurde am 29.05.1959 dem Antrag stattgegeben. Die Übereignung der Geräte erfolgte mit der Auflage, dass der TVG die Geräte jederzeit kostenlos nutzen konnte.

Turnen erholt sich

 

Der Bau einer neuen Turnhalle durch die Gemeinde – Einweihung 1963 – gab zunächst dem Turn- und Sportbetrieb einen Aufschwung. Unter der Leitung von Christine Dühr entstand eine Mutter-und-Kind-Gruppe. Die Mitgliederzahl wuchs von 203 (1959)auf 312 (1964) Mitglieder. Die Breitenarbeit im Turnen wurde ab 1970 intensiviert. Starker Zulauf setzte ein, das Turnen rückte wieder in den Vordegrund. Eine Männergruppe (zeitweilig 80 Turner), eine Damengymnastikgruppe (zahlenmäßig noch stärker) und eine große Kindergruppe mit ca. 120 Mädchen und Jungen im Alter von 3 – 10 Jahren wurden ins Leben gerufen. Mit Dietrich Schwichtenberg und Wiprecht Kuhlgatz, Lehrern an der hiesigen Schule, und Renate Gramatke konnten engagierte Übungsleiter gewonnen werden. Bedauernswerterweise war der Zulauf beim Männerturnen nur ein Strohfeuer. Die Gruppe löste sich auf.

Trotz der neuen Turnhalle und dem Aufschwung im Turnen stagnierte die Mitgliederzahl. Waren es 312 (1963) Mitglieder, so waren es 1972 bei der Feier zum 75-jährigen Jubiläum 329. Höhepunkte der Festwoche, die mit einem Kommers begann, war das Fußballspiel gegen eine Kehdinger Auswahl, betreut von Herbert Bode. Dazu kam und eine Reihe von Pokalturnieren im Herren- und Jugendbereich, ein Faustball- und ein Damenhandballturnier. Eingeleitet wurde die Festwoche mit einem großen Umzug, der mit einem bunten Programm auf dem Sportplatz endete.

Neue Sparten entstanden

 

Im Herbst 1970 kam es zur Neugründung der Faustballsparte. Im Frühjahr 1973 musste der Sportplatz dem Bau einer Schwimmhalle weichen. Wider Erwarten wurde bereits Ende1973 der Hartspielplatz fertiggestellt. Auf Wunsch der Fußballer beschloss der Vorstand, eine Flutlichtanlage zu installieren. Mit vielen freiwilligen Helfern – ca.500 Std. Eigenleistung – Sachspenden (Material) und Gestellung von Baumaschinen durch Drochterser Unternehmer konnte die Anlage nach nur vier Wochen Bauzeit in Betrieb genommen werden. Trotz der Eigenleistung beliefen sich die Materialkosten auf DM 18.215,–, die teilweise durch einen Kredit abdeckt werden mussten.
Nach Fertigstellung der Schwimmhalle wurde am 11.02.1974 der Übungsbetrieb der neugegründeten Sparte Schwimmen aufgenommen. Erster Abteilungsleiter wurde Ernst Porth. Als Übungsleiter stellten sich Rüdiger Großmann und Bernd Gramatke zur Verfügung. Nach intensivem und gezieltem Training nahm man an den ersten Schwimmwettkämpfen teil. Am 06.03.1977 fand der erste Kreiswettkampf mit über 200 Teilnehmer in Drochtersen statt. 1978 schied Ernst Porth aus, Rüdiger Großmann übernahm zusätzlich zum Training die Aufgaben des Abteilungsleiters. Über 40 Kinder und Jugendliche nahmen so regelmäßig am Übungsbetrieb teil. Sehr gute Ergebnisse konnten bei Vergleichswettkämpfen, Kreis- und Bezirksmeisterschaften erzielt werden. 1982 ging die Beteiligung am Schwimmsport zurück. Viele Aktive und Leistungsträger verließen die Schule und traten ins Berufsleben ein, andere wechselten die Abteilung. 1984 übernahm Karl-Heinz Ahrendt die Abteilung als Leiter und Trainer. 1977 kam es zur Gründung der Fußball-Spielgemeinschaft Drochtersen-Assel, und 1978 gründete Adolf Biere die Badmintonabteilung. Bis zu 30 Personen nahmen teilweise am Übungsbetrieb teil. Nach dem Weggang von Biere kam der Übungsbetrieb im Badminton zum Erliegen. 1979 wurde unter der Leitung von Annette Münster die Gruppe “Sport für Jedermann” aufgebaut. Ein Schwerpunkt ist bis heute die Sportabzeichenabnahme, denn gerade dieses Leistungsabzeichen ist der Fitness-Test im Breitensport.
Am 14.11.1980 war es endlich so weit. Die lang ersehnte Dreifachturnhalle wurde mit einem großen Programm eingeweiht. Die bisherigen Sparten wie das Turnen, aber auch Faust- und Handball nahmen einen großen Aufschwung. 1982 erfolgte die Einweihung der C-Kampfbahn-Anlage. Mit diesen Baumaßnahmen schaffte die Kommune vorbildliche Sportanlagen. So wurde 1983 das Faustball-Länderspiel Deutschland gegen die Schweiz in der ausverkauften Dreifachturnhalle vor ca. 700 Zuschauern durchgeführt.
Erfolge stellten sich ein. Neue Sparten entstanden. Die Mitgliederzahlen stiegen kontinuierlich, so 1982 nach einigen Jahren Pause in den Sparten Badminton, 1984 Karate, 1987 Integrationsturnen, 1988 Ballett, 1989 Judo, 1993 Ski und 1996 Square-Dance.
Seit 1991 wird die Mitgliederdatei und der Beitragseinzug über eine vereinseigene EDV-Anlage abgewickelt. 1992 wurde die Vereinssatzung überarbeitet und den heutigen Bedürfnissen angepasst. 1993 wurde der Vereinsbus ersetzt.

Die hauptamtlichen Lehrkräfte

 

Am 01.Januar 1980 wurde mit Marita Jungclaus die erste hauptberufliche Sportlehrerin – zusammen mit den Vereinen TSV Wiepenkathen und SV Dornbusch – eingestellt. Sie sorgte für eine deutliche Entlastung der ehrenamtlich tätigen Übungsleiter. Am 01.08.1985 schied Marita aus familiären Gründen aus, Susanne Breiter übernahm die Aufgaben. Im gleichen Jahr verzichtete Wiepenkathen auf ihre Tätigkeit; seitdem nimmt der VTV Assel diese Leistung in Anspruch. Am 01.08.1987 wurde mit Petra Jobmann eine engagierte und qualifizierte Nachfolgerin eingestellt, die neuen Schwung in die Arbeit der Vereine brachte. Ihr Ausscheiden zum 30.03.1993 – sie wurde in den Schuldienst übernommen – konnte nur schwer verkraftet werden. Nachfolgerin Gaby Herrmann gab nur ein kurzes Gastspiel. Sie wurde am 01.04.1994 von unserem jetzigen Sportlehrer Thomas Peucker abgelöst, ein Glücksgriff für die drei Sportvereine in der Gemeinde.
Durch die Einstellung einer Sportlehrkraft ist das Turnen im TVG wieder ein fester Bestandteil geworden. Das Angebot reicht heute von einer Mutter-und-Kind-Gruppe, über Vorschul- und Kinderturnen bis hin zum Wettkampfturnen und zur Damengymnastik.

Die Vorsitzenden

 

Der Vorsitz im Verein wechselte nach dem Kriege des Öfteren. Nach Johannes Jens und Reinhard v. Allwörden übernahm am 24.02.1961 Johann Jungclaus den Vorsitz. Seine Zeit war geprägt vom größten Erfolg, aber auch vom Niedergang des TVG-Fußballs. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 29.06.1967 wurde Walter Behrendt zum Nachfolger gewählt. Nach knapp 2-jähriger Tätigkeit löste Christoph Mattfeldt Walter Behrendt am 07.02.1969 ab, der aus beruflichen Gründen ausschied. Nach dessen frühem Tod wurde Hans Wulff am 10.02.1970 zum Vorsitzenden gewählt. Mehr als 12 Jahre hat Hans Wulff den Verein entscheidend mitgeprägt. Durch seine Ratsarbeit – er war Vorsitzender der örtlichen CDU-Fraktion – trug er entscheidend zur beispielhaften Sportstättenplanung in der Gemeinde bei. Mit der Schwimmhalle, der Mehrzweckhalle, der Dreifachturnhalle und der C-Kampfbahn-Anlage verfügt der Ort über ein vorbildliches Sportzentrum. ” Zwölf Jahre sind einfach genug, jetzt muss auch einmal ein Wechsel stattfinden “, begründete er seinen Abschied, der mit großem Bedauern entgegengenommen wurde. Am 21.02.1983 wurde Georg v. Borstel zu seinem Nachfolger gewählt, der dieses Amt acht Jahre innehatte. Seit dem 25.02.1991 wird der Verein von Alex Przygoda geführt. Der jetzige Vorstand sieht seine Aufgabe darin, den eingeschlagenen Weg der letzten Jahre fortzusetzen. Ziel ist es, neben dem Leistungsstreben einiger Sparten vor allem die begonnene Breitenarbeit zu fördern und auszubauen.

Nachwort

 

Wir können mit dem Erreichten zufrieden sein. Die positive Entwicklung in den letzten Jahren – z. Z. 1260 Mitglieder – führen wir darauf zurück, dass es uns gelungen ist, für alle Sportinteressierten ein an ihren Bedürfnissen und Wünschen orientiertes Angebot zu schaffen. Der Verein bietet den Bürgern eine breite Palette von sportlichen Möglichkeiten in 15 Abteilungen. Wir wissen, ein harmonisches Vereinsleben ist nur durch ein Miteinander von Leistungs-, Breiten- und Freizeitsport zu erreichen und zu gewährleisten. Aber wir sind an unsere Grenzen gestoßen, die Gefahr der Überlastung unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter wächst. Deshalb betrachten wir auch mit Sorge, dass die Bereitschaft, sich im Verein ehrenamtlich zu engagieren, in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Gerade die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind die tragenden Säulen der Vereinsarbeit. Durch sie lebt der Sport.
Auch ohne unseren engagierten Sportlehrer Thomas Peucker könnten wir den Sportbetrieb in seiner jetzigen Form nicht mehr aufrechterhalten. Sorgen bereiten uns auch, dass die Aufgaben im Verein immer größer, Mittel und Zuschüsse dagegen immer mehr abgebaut werden. Gerade in Zeiten finanzieller Engpässe kann nur durch die vielseitige und kostengünstige Arbeit der Vereine das wachsende Sportbedürfnis der Bürger erfüllt werden.
Der Turnverein Germania wird sich auch in der Zukunft den Herausforderungen stellen, versuchen, mit der Entwicklung Schritt zu halten und beweglich zu bleiben, denn der Sport wird für uns alle seine große Bedeutung behalten.

Alfred Przygoda